Brentano wurde am 9. September 1778 als Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano und dessen zweiter Frau Maximiliane geboren. Er wuchs in "strenger und unmütterlicher Zucht" auf, und das Bild der früh (1793) gestorbenen Mutter wurde zum Sehnsuchtsbild einer lebenslangen Suche nach Einheit und Geborgenheit. Das frühe Ende der Kindheit hat er zeitlebens als die Vertreibung aus einem Paradies empfunden, so dass er den zentralen, u.a. durch John Milton an die Romantiker vermittelten Motivkomplex des verlorenen und wiederzugewinnenden Paradieses zum Mittelpunkt eines Werkes von stark symbolischer und autobiographischer Prägung machte. Selbst die Begegnung mit Sophie Mereau, die er am 29. November 1803 in Marburg heiratete und schon am 31. Oktober 1806, bei der Totgeburt seines dritten Kindes, wieder verloren hat, war von der Fixierung auf jene Mutterfigur geleitet, die sich von dem Roman "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter" (1801) bis zum "Leben der heiligen Jungfrau Maria. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich" (1852) durch sein Werk zieht. Schon kurz nach seiner Immatrikulation als Student der Medizin 1798 in Jena war Brentano dort in den Kreis der Frühromantiker aufgenommen worden, wo ihn sein satirisches Temperament rasch zum "Tieck des Tieck" avancieren ließ. Da Liebe und Freundschaft für Brentano in der Ehe mit Auguste Bußmann (katholische Trauung am 21. August 1807) als Medien der Selbstfindung verdächtig geworden waren, versuchte er in der Kunst zu finden, was er in der Realität verloren glaubte. Ebenso leidenschaftlich gab er sich dem neu erwachten religiösen Gefühl hin, das nach den Napoleonischen Kriegen im Europa der Erweckungsbewegungen um sich griff. Im Kreis der Berliner Neupietisten lernte er 1816 Luise Hensel kennen; er verband die Werbung um die 18 Jahre alte Pfarrerstochter mit psychisch-poetischen Pressionen um deren Konversion. Die hierognostischen, mystizistischen und magnetisch-psychologischen Experimente mit der schwer leidenden Nonne Anna Katharina Emmerick, an deren Körper er zu seiner Bestürzung die Liebeswunden bluten sah, von denen er unsichtbar stigmatisiert zu sein glaubte, überlagern den Arbeitsplan eines großen religiösen Weltepos, von dem er seinen Erben rund 16 000 handschriftliche Folioseiten hinterlassen hat. Nach dem Tod der Nonne (1824) wieder ruhelos durch Deutschland und Frankreich wandernd und zeitweilig eifrig um die katholische Bewegung bemüht, sah sich Brentano in München (seit 1833) noch einmal mit seiner einstigen Berliner Lebenssituation konfrontiert. In den vielstrophigen, oft wie im Fieber sich selbst weiterschreibenden Liebesgedichten an die aus Basel stammende Malerin und Kunstsammlerin Emilie Linder hat er nochmals Liebes- und Konversionswunsch so innig miteinander verschmolzen, dass sich die Geliebte zu seinen Lebzeiten beiden Wünschen entzog. In der Öffentlichkeit galt Brentano als ein Autor der geistlichen Restauration. Gelegentlich wurde er dabei mit seinem tatsächlich dieser Strömung zuzurechnenden Bruder Christian verwechselt, in dessen Haus in Aschaffenburg er am 28. September 1842 starb.


Die dominant lyrische Prägung von Brentanos Werk ist nicht zu verkennen, wobei jedoch viele der rund 1000 Gedichte und Gedichtentwürfe in Kontexte verflochten wurden, aus denen sie ohne erhebliche Bedeutungsverschiebungen nicht gelöst werden können. Im Kern ist Brentanos Lyrik Liebeslyrik, deren "eigentümliche Periodizität" (F.W. Wollenberg) nicht etwa den Lebensphasen folgt, sondern diese vorgibt. Die leidenschaftlich-poetische Vorwegnahme erstrebter Lebensziele, die Erschöpfung des Werks im Plan begründet den grundlegend fragmentarischen Charakter von Brentanos Werk, hat aber auch die Verwirklichung solcher Ziele im Lebens stets verhindert. Die Inspirations- und Lebenskrisen wurden in der Folge der nahezu entwicklungslos sich ablösenden, jeweils in sich geschlossenen Werkgruppen zunehmend einschneidender, bis die heftigste dieser Krisen zu einer Prosawende auch im Werk Brentanos führte. Die Jugendlyrik (1798/99 - 1803/04) ist charakterisiert durch die Form- und Sprachexperimente des Schlegelkreises, dessen schwärmerische Goethe- und Novalisnachfolge, ehe die u.a. durch Tieck angeleitete Entdeckung altdeutscher Poesie den Zustrom romanischer Strophen- und Versformen beendete. Mit Achim von Arnim konstruierte Brentano während der Sammlung und der Restaurierung alter deutscher Lieder jenen artistischen Volksliedton, der durch die mit Arnim zusammen veranstaltete Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" (1806-08) zum vorherrschenden Ton in der deutschsprachigen Lyrik des 19. Jahrhundert wurde. Mit der Ballade von der "Lureley" (um 1800) hat Brentano nicht nur den um den Loreleifelsen bis heute sich rankenden Rheinmythos begründet, sondern auch jenen Typus todestrauriger weiblicher Schönheit geschaffen, der über die Venus-Madonnen des Jahrhunderts auch den Typus der Femme fatale prägte. Die Luisen-Lyrik fand in der Aneignung pietistischer Erweckungslieder, barocker geistlicher Poesie und der neupietistischen Gebetslyrik Luise Hensels den neuen innigen Ton, der als ein Ton des Trostes und des Schutzes in der deutschen Literatur bis Theodor Fontane und Ernst Wiechert nachlebt. Erst mit der im Januar 1834 einsetzenden Emilien-Lyrik, die z.T. das Korpus der Briefgedichte für Luise Hensel auf Emilie Linder umlenkte, fand Brentano aus seinem schweren Tagewerk, der Sichtung, Ordnung und Bearbeitung der Emmerick-Papiere, den Weg zurück zu Lyrik und Märchen. Hat in den Gedichten an Luise die geistliche Lyrik der frühen Neuzeit die Folie abgegeben, auf der sich die neupietistische Erweckungs- und Liebeslyrik Brentanos entfalten konnte, so sind es jetzt erotische Sujets barocker Gedichte, welche bei den wenige, die diese Gedichte zu Gesicht bekamen, Entrüstung und Bewunderung zugleich hervorriefen. Weit weniger als mit Lyrik und Prosa hat Brentano durch seine Dramen gewirkt. Das von E.T.A. Hoffmann vertonte Singspiel "Die lustigen Musikanten" (1803) hatte bei der Uraufführung nur geringen Erfolg, und das melancholische Lustspiel "Ponce de Leon" ist in einer patriotisch aufgeputzten Fassung 1814 im Wiener Burgtheater durchgefallen. Immerhin ist Georg Büchners Komödie "Leonce und Lena" (1836) ohne das Vorbild von Brentanos "Ponce de Leon" nicht zu denken. 1815 hat Brentano dann in dem "historisch-romantischen Drama" "Die Gründung Prags" (1815) ein Stück geschrieben, das nicht für das Theater, sondern als romantischer Deklamationstext gedacht war, wobei der Dichter in den Salons der Zeit als ein gefeierter und witziger Deklamator und Vorleser bekannt und gesucht war. Die Brentanos Prosa durchziehenden Bildfelder belegen, dass es zwischen dem frühen und dem späten Werk des Dichter nur einen Wandel der Perspektive, kaum einen Stilwandel, geschweige denn jene "Wende" zum Unpoetischen gegeben hat, von der die Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts ausgegangen ist. Die Bilder der Wunde und der Versteinerung, des Denkmals und der Schwelle treffen sich in der poetischen Sprach- und Poesiereflexion, die Brentano schon früh zum Problem geworden ist. Von den Erzählungen Brentanos hat allein die "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" (1817) wegen der Thematisierung des Kampfs um ständische, bürgerliche, menschliche und geschlechterspezifische Ehre Aufsehen erregt. Eine "moralisierende Kalendergeschichte" und eine "bänkelsängerische Moritat" (Richard Alewyn) werden hier in einer Rahmenerzählung miteinander vermittelt, in der - angesichts des sozialen und psychischen Elends einer elternlosen Generation - die Berechtigung des Kunstwerks und der Beruf des Schriftstellers in Frage gestellt sind. In einer Erzählung also, welche den poetischen Prozess selbst zum Thema hat, wird die unsichere Welt der Moderne (der Enkel) mit der im Glauben an Standesehre und Menschwürde noch fest gegründeten Welt des Ancien régime (der uralten Großmutter) konfrontiert; dem Schreiber, der einen Dichter zu nennen sich scheut, wird nochmals die Aufgabe zugewiesen, die von der explosionsartigen Beschleunigung des Erfahrungswandels begründeten Ängste der Menschen aufzufangen, in Sprache und Poesie einen Ausgleich zwischen vorrevolutionärem und revolutionärem Denken zu schaffen. An seinen Märchen für Kinder hat Brentano seit 1808 geschrieben, die Arbeit an den Rheinmärchen und den italienischen Märchen aber um 1816 beendet und erst um 1825 zögernd wieder aufgenommen. Zu seinen Lebzeiten hat er nur die zu einem Arabeskenroman ausgestaltete Spätfassung des Märchen von "Gockel, Hinkel und Gackeleia" (1838) veröffentlicht, während die anderen Werke posthum herausgegeben wurden. Der Nachruhm Brentanos ist gespalten. Sein religiöses Werk, besonders die aus dem "Leben der heiligen Jungfrau Maria", dem posthum herausgegebenen "Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi" und dem "Bitteren Leiden" gefügte Trilogie eines Lebens Jesu, ist in alle Weltsprachen übersetzt worden und gilt zumal in den Ländern der Romania bis heute als ein Klassiker christlicher Andachts- und Meditationsliteratur. Das Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts aber feierte den Sprachmusiker Brentano als Vorläufer von Heine, Nietzsche und Apollinaire.